Der Erfolg liegt im Team

Nachstehender Artikel ist erschienen im GoingPublic Magazin, Sonderausgabe “Biotechnologie 2003”,
S. 62 - 63

Human Resources -
Der Erfolg liegt im Team

Optimierung der Führungs- und Teamwirkung für Biotech-Unternehmen

Von Dr. Rainer Stolpmann, Geschäftsführer, Arbeitsvermittlung Bayern
und Monika Schwartz, Coaching & Consulting

In unserer Arbeitswelt beschleunigt sich in den nächsten Jahren der Abschied von der industriellen Arbeitsorganisation. Während flexible, mobile, teamwork- und projektorientierte Arbeitsformen massiv zunehmen werden, verlieren die starren Berufsbilder und regulierten Arbeitsformen zunehmend an Einfluß. Für den Bereich Life Sciences ist diese Entwicklung schon seit längerem zu beobachten. Aufgrund der enormen Wissensvermehrung steht hier lebenslanges Lernen im Zentrum des Biotech-Berufsethos. In der kreativen Welt der Lebenswissenschaften steht daher für alle Beteiligten die Wissensökonomie an erster Stelle. Die Sphäre der Selbstverwirklichung wird erschlossen. Dadurch werden auch zunehmend die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschoben und die eigene Wirkung als Führungskraft und Teammitglied wird bedeutsamer.

Neue Intelligenz-Definitionen werden entstehen
Bildung und Fachwissen als kommende Schlüsselressource wird neue Intelligenz-Definitionen hervorbringen. Für die Unternehmen entsteht die Herausforderung, die richtigen Köpfe zu gewinnen, die emotionale Intelligenz, Team-Intelligenz und technische Intelligenz einbringen. Aufgrund des sich vollziehenden Konsolidierungsprozesses werden Biotechnologie-Unternehmen zukünftig noch enger kooperieren, um gemeinsam effektiver ihre Produktentwicklungen voran zu treiben. Häufig fehlen den Unternehmen die Köpfe, um Netzwerkpartner effizient integrieren zu können. Die Verknüpfung der Prozesse in den Partnerunternehmen mit den eigenen Prozessen fordert besondere Management-Skills. Die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt nach Kandidaten mit einer branchenspezifischen und einer kaufmännischen Ausbildung wird sich dementsprechend erhöhen. Dies bedeutet aber auch die Chance, erfahrene Manager aus der forschenden Pharmaindustrie enger an den Biotechnologiemarkt zu binden.

Fachkräfte gesucht - und gefunden?
Life Sciences-Unternehmen erwarten von künftigen Mitarbeitern/innen möglichst einen Biotechnologie-relevanten Universitätsabschluss im Bereich Molekularbiologie, Mikrobiologie, Zellbiologie und verwandter Disziplinen. Auch die Absolventen von Fachhochschulen werden immer stärker akzeptiert. Weiterhin gehören medizinische und kaufmännische Qualifikationen sowie Management-Erfahrungen zu den am häufigsten nachgefragten Fähigkeiten. Neben den fachspezifischen Kenntnissen zählen zunehmend soziale Fähigkeiten wie Teamgeist und Kommunikationsstärke. Denn durch die hohe Spezialisierung im Life Sciences-Bereich sind Neuentwicklungen praktisch nur noch in interdisziplinären Expertenteams möglich. Je besser diese Fachleute zusammenarbeiten und untereinander kommunizieren, desto erfolgreicher ist das Unternehmen.

Doch schon heute zeichnet sich ein Problem unübersehbar ab: Die Studentenzahl bei naturwissenschaftlich-technischen Hochschulausbildungen geht zurück und wird sich in 3-5 Jahren sehr deutlich auf Unternehmen im Life-Sciences-Bereich auswirken. Je etwa die Hälfte der Unternehmen, die zum "Arbeitsmarkt Biotechnologie“ befragt werden, versucht derzeit den Arbeitskräftebedarf mit externer Hilfe (z.B. über Personalberater) und durch eigene Aus- und Weiterbildung zu decken. In den nächsten Jahren planen über 25 % der Unternehmen Neueinstellungen. Benötigt werden vor allem Fachkräfte in den Bereichen "Forschung und Entwicklung", gefolgt von "Marketing" und "Service". Doch das Personal, das den hohen Anforderungen der Biotech-Branche gerecht wird, ist nicht leicht zu finden.

Analyse von Führungs- und Teamkompetenz zur Optimierung der Unternehmenssteuerung
Wenn Gründungsunternehmen Bankkredite suchen oder über weitere Gesellschafter ihre Eigenkapitalbasis stärken wollen, ist eine umfassende und kritische Unternehmensbewertung unausweichlich. Der Ablauf und die Prüffelder einer Due Diligence sind bekannt und nichts Besonderes. Weniger formal werden demgegenüber die Management- und Teamkompetenz der Mitglieder der Geschäftsführung und der Führungskräfte hinterfragt. Die Beurteilung beruht vielleicht auf Referenzen, ganz bestimmt aber auf eigenen Eindrücken der Entscheidungsträger und deren Bauchgefühl. Wenn eine Person nicht den Anforderungen entspricht, wird sie ausgetauscht. Geldgeber müssen entschieden handeln und damit sicherstellen, dass die Steigerung des Unternehmenswertes mit dem dafür nötigen fachlichen und persönlichen Know-how und Auftreten erreicht wird.

Kapitalsuchende können eigenverantwortlich an der Optimierung ihrer Führungs- und Teamkompetenz arbeiten. Genauso intensiv, wie sie um neue Technologien wetteifern und Märkte für sich gewinnen, sollten sie die Wirksamkeit ihres Handelns optimieren. Nur gut geführte Unternehmen werden das Interesse von Banken und Investmenthäusern nachhaltig auf sich ziehen. Produkte, Markt- und Ertragspotentiale alleine überzeugen nach dem Zusammenbruch im Neuen Markt nur noch wenige. Statt mit Bauchgefühl beurteilt zu werden und möglicherweise einem Personalaustausch entgegenzusehen, können Schlüsselpersonen und Unternehmensführer aktiv ihre Fähigkeiten und Potentiale auf fachlicher und persönlicher Ebene ausbauen. Teamfähigkeit und Konfliktfähigkeit sind gerade in einer Gründungs- oder weiteren Expansionsphase wertvolle und unverzichtbare Kompetenzen, um das Unternehmen auf sicherem Kurs zu halten.

Wirkung als Führungskraft und Teammitglied
Die eigene Wirkung als Führungskraft und Teammitglied sollte nach einem maßgeschneiderten Konzept analysiert werden. Verhaltensoptionen eröffnen den einzelnen Personen einen konstruktiven Umgang mit schwierigen Situationen. Die Teammitglieder sollten lernen, sich mit Respekt zu begegnen und festgefahrene Konflikte im Team aufzulösen. Unterschiedliche Arbeits- und Kommunikationsstile werden in der Regel als wertvolle Bereicherung und gegenseitige Ergänzung erlebt. Persönliches Feedback gehört dazu und ist ein sehr hilfreiches Mittel zur bewussten Veränderung. Selbst vertraute Kollegen scheuen sich davor, ehrlich zu sagen, was bei ihnen in der Kommunikation ankommt. Idealerweise übernimmt ein unabhängiger Coach das Feedback und sagt, wie die betreffende Person von ihm wahrgenommen wird.

Fazit
Das Zeitalter der Hochbildungsgesellschaft hat begonnen. Dies gilt für die Biotech-Branche ganz besonders. Flexible, mobile, teamwork- und projektorientierte Arbeitsformen werden massiv zunehmen. Starre Berufsbilder und regulierte Arbeitsformen verlieren an Einfluß. Eine aktive und selbstverantwortliche Optimierung der Führungs- und Teamwirkung wird daher zunehmend wichtiger. Es ist schließlich bekannt, daß sich auch das Vertrauen der Investoren in die Führungsperson(en) in den Kursen börsennotierter Unternehmen abbildet.

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